Qualität im Visier

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Der Bayerische Hausärzteverband (BHÄV) ist bekannt für sein starkes berufspolitisches Engagement. Übersehen werden gerne seine Erfolge hinsichtlich Qualitätsverbesserungen der hausärztlichen Versorgung  – vor allem von manchen Krankenkassen, die laut BHÄV-Chef Dr. Wolfgang Hoppenthaller „eine Qualitätsdiskussion losgetreten haben, die an Diffamierung grenzt.“ Dabei hat der BHÄV ein Qualitätsprogramm vorzuweisen, das seinesgleichen sucht. Davon konnten sich Krankenkassenvertreter im Rahmen einer Informationsveranstaltung am 22. September in München überzeugen.

350 Qualitätszirkel in eineinhalb Jahren

An erster Stelle ist das breite Engagement des BHÄV in der Fortbildung zu nennen, das durch die Hausarztverträge zusätzlich Schub bekommen hat. So ist für die Mediziner, die an der hausarztzentrierten Versorgung (HZV) nach Paragraf 73b SGB V partizipieren, die Teilnahme an strukturierten Qualitätszirkeln zur Arzneimitteltherapie unter Leitung entsprechend geschulter Moderatoren Pflicht. Dies machte die Bildung der Kommission Allgemeinmedizin Bayern im BHÄV erforderlich,  die unter anderem Struktur und Inhalte der Qualitätszirkel festlegt und für die Schulung der Moderatoren zuständig ist. Wie Dr. med. Ernst Engelmayr, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands und Fortbildungsbeauftragter des BHÄV berichtete, ist es der Kommission gelungen, Innerhalb kürzester Zeit flächendeckend 350 Qualitätszirkel mit jeweils maximal 20 Teilnehmern in Bayern zu etablieren und die dafür notwendigen Moderatoren zu schulen.

Fortbildungs-Curriculum bringt Hausärzte auf neuesten Wissensstand

Daneben ist der BHÄV auch stark aktiv in der Umsetzung der strukturierten hausärztlichen Fortbildung mit Kompetenzerhaltung, kurz ShFK. Hier verwies Engelmayr auf die Thementage, die pro Bezirk dreimal jährlich auf dem Plan stehen. „Die Themen sind alle hausarztrelevant und Pharma-unabhängig“, versicherte er. Ein ausgefeiltes Curriculum stelle sicher, dass jeder Hausarzt nach einem fünfjährigen Fortbildungszyklus in allen wichtigen Hausarztthemen auf dem neuesten Stand ist.

Fortbildungsangebote des BHÄV finden Hausärzte darüber hinaus beispielsweise auf dem Bayerischen Hausärztetag, dem Tag der Allgemeinmedizin, dem Kongress der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) sowie auf BHÄV-Fortbildungskongressen in Kooperation mit dem Institut für hausärztliche Fortbildung (IhF), dessen 2. Stellvertretender Vorsitzender Dr. Engelmayr ist.

Neben der Fortbildung für Hausärzte bietet der BHÄV seit Frühjahr dieses Jahres auch Schulungen für Medizinische Fachangestellte (MFA)zur HZV  an, auf die Dr. Gerald Quitterer  näher einging. Dabei ging es vor allem um die Honorarstruktur der HZV-Verträge und darum, wie welche Abrechnungsziffern abzurechnen sind, erläuterte der niederbayrische  Bezirksvorsitzende und Fortbildungsbeauftragte  des BHÄV.  Schließlich müsse sich der Hausarzt in einer gut funktionierenden Praxis auf geschultes Personal verlassen können, das auch die Abrechnung voll im Griff hat. Insgesamt 31 Schulungsveranstaltungen für MFA habe der BHÄV dieses Jahr zwischen 14. April und 5. Mai an verschiedenen Orten in ganz Bayern.

Bereits 342 geprüfte VERAHs in Bayern

Wichtig für Qualitätssteigerungen in der hausärztlichen Versorgung ist auch das  Fortbildungsangebot für  MFA zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH), das der BHÄV in Bayern gemeinsam mit dem IhF schultert. Dr. Quitterer beschrieb die Ausbildungsinhalte und hob die Schulungsmodule Casemanagement und Besuchsmanagement hervor, die für eine optimierte Versorgung besonders relevant sind. Er betonte insbesondere auch die Leistungssteigerung durch erhöhte Kompetenz, die bei den Teilnehmerinnen zu beobachten sei. Laut Quitterer gibt es derzeit in Bayern bereits 342 geprüfte VERAH. Bis Jahresende rechne man mit insgesamt 450 geprüften Absolventen.

Als Referenten sowohl für die MFA-Schulungen als auch für ärztliche Fortbildung beispielsweise in Qualitätszirkeln versucht der BHÄV, interessierte Hausärzte zu gewinnen. Dazu bietet der Verband seit kurzem spezielle Referentenschulungen an. Das erste ganztägige Seminar fand dieses Jahr am 24. Juli mit neun Teilnehmern in Ingolstadt statt. Ein weiteres Referenten-Seminar ist für den 6. November in Bad Gögging angesetzt.

QM-Schulung speziell für Hausärzte

Über die BHÄV-Aktivitäten in Sachen Qualitätsmanagement (QM) berichtete Dr. Christian Pfeiffer, BHÄV-Bezirksvorsitzender Unterfranken. Bis Ende des Jahres müssen Praxen bekanntlich ein QM-System eingeführt haben. Hier bietet der BHÄV seit Anfang 2009 mit dem „HÄQM“ ein speziell auf Hausarztpraxen zugeschnittenes Schulungskonzept an, das aus einem Basiskurs und einem Refresherkurs besteht.

Am Ende des Basiskurses steht die Erstellung eines QM-Handbuches für die Praxis, während die Refresherkurse darauf ausgerichtet sind, die bereits vorhandenen Handbücher zu besprechen und zu verbessern. Mit Stand vom 7.9.2010, so berichtete Pfeiffer, haben bereits 1095 Praxen einen QM-Grundkurs des BHÄV absolviert, 179 Praxen haben einen Refresherkurs durchlaufen. Wie gut die QM-Kurse des HÄV ankommen, zeigt die Tatsache, dass alle Grund- und Refresherkurse für dieses Jahr ausgebucht sind.

Laut Dr. Pfeiffer bereitet sich der BHÄV derzeit auf eine eventuelle  künftige Zertifizierungspflicht vor. Angestrebt wird ein einheitliches Zertifikat für alle Hausärzte, ganz gleich, welches QM-System angewendet wird. Pfeiffer wies darauf hin, dass sich Hausärzte bereits jetzt die Struktur- und Prozessqualität ihrer Praxis durch eine freiwillige Zertifizierung nach dem QM-System des BHÄV bestätigen lassen können.

Ergebnisqualität als Qualitätsindikator nicht geeignet

Struktur- und Prozessqualität sind auch die Faktoren, an der sich die Qualität der hausärztlichen Behandlung messen lässt. Darauf wies Dr. Wolfgang Krombholz hin, 1. Stellvertretender Vorsitzende des BHÄV. So könne als Indikator für Prozessqualität beispielsweise der Anteil der über 75-Jährigen Patienten einer Praxis herangezogen werden, der innerhalb der zurückliegenden 12 Monate ein geriatrisches Basisassessment durchlaufen hat. Als Qualitätsindikator ungeeignet sei dagegen die Ergebnisqualität, bei der zu viele vom Arzt nicht beeinflussbare Faktoren eine Rolle spielen, etwa Verhalten und Compliance des Patienten. Hinzu komme, dass Hausärzte oft multimorbide Patienten betreuen. Eine Leitlinie für Multimorbidität aber fehle bislang, ein Problem, das bereits Prof. Dr. med. Antonius Schneider, Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Allgemeinmedizin an der TU München, zum Auftakt der Informationsveranstaltung angesprochen hatte. Das mache eine Beurteilung der Behandlungsqualität schwierig und verbiete den Vergleich mit anderen Fachgruppen.

Hausarztverträge sichern ambulante Versorgung mit hoher Qualität

Die rund 30 Krankenkassenvertreter, die der Einladung zu der Informationsveranstaltung über das BHÄV-Qualitätsprogramm gefolgt waren, zeigten sich beeindruckt von der Fülle an Aktivitäten und Informationen. BHÄV-Chef Hoppenthaller erinnerte daran, wie wichtig die Hausarztverträge für die Weiterentwicklung des Qualitätsprogramms und den Fortbestand der der ambulanten hausärztlichen Versorgung in ihrem jetzigen Format ist. Für den dringend benötigten hausärztlichen Nachwuchs sei es unerlässlich, eine Perspektive zu haben, wie sie Hausarztverträge bieten können. „Wenn die Entwicklung so weiter geht, werden Sie bald nur noch Medizinische Versorgungszentren in den Händen von Kapitalgesellschaften haben“, warnte er die Krankenkassenvertreter. Kriterien für die Einweisung ins Krankenhaus könnten dann Bettenbelegzahlen sein, nicht der Zustand des Patienten. „Mit diesen Kapitalgesellschaften werden Sie nicht so umspringen wie mit uns, die werden Ihnen die Preise diktieren“, prophezeite er.

 

Im Wochenendkurs zur Zusatzbezeichnung Psychosomatik

Nicht nur in der Fortbildung, auch in der Weiterbildung für Teilgebiete kann  der BHÄV Erfolge verbuchen. Beispiel Psychosomatik: Verschiedene Versionen der Weiterbildungsordnung gehen mit unterschiedlichen Anforderungen bezüglich der Psychosomatik an die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin einher, bei hausärztlichen Internisten fehlen psychosomatische Inhalte ganz in der Weiterbildung. Wie BHÄV-Vize Dr. Wolfgang Krombholz berichtete, konnten aufgrund der fehlenden psychosomatischen Ausbildung viele hausärztlich tätige Internisten und Allgemeinmediziner nicht am HZV-Vertrag von BKK und Ersatzkassen teilnehmen. Die 16o Stunden umfassende Regelweiterbildung Psychosomatik sei aber für einen praktizierenden Arzt nicht machbar.

Spezielle Weiterbildung für erfahrene Hausärzte

Um Versorgungslücken zu vermeiden, hat der BHÄV sich mit der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) über eine Weiterbildung Psychosomatik speziell für Hausärzte mit mehr als fünf Jahren Berufserfahrung geeinigt. Davon ausgehend, dass solche Kollegen im Rahmen ihrer langjährigen Tätigkeit psychosomatische Kenntnisse erworben haben, wurde die Weiterbildung auf einen 2- bis 3-tägigen Kurs für die theoretischen Inhalte konzentriert. Hinzu kommt die kontinuierliche Arbeit in Balintgruppen von mindestens 30 Stunden Dauer. Die Weiterbildung erfolgt durch von der BLÄK anerkannte Weiterbildungsbefugte.

Auch zur Weiterbildung in anderen Teilbereichen ist der BHÄV aktiv, beispielsweise in der Geriatrie. Hier ist eine 160-stündige Weiterbildungen für Praxischefs eben so wenig  praktikabel. BHÄV-Vorstandsmitglied Dr. med. Dieter Geis verwies auf die Fortbildungsmodule des BHÄV beispielsweise zu Schlaganfall und Demenz, um geriatrisches Basiswissen zu erlangen.

Präsentationen zum Thema:

Entwicklung der Qualifikationen im Rahmen der HzV-Verträge
Hausarztmedizin - Aufgaben und Herausforderungen für die Zukunft
Veränderungen durch Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgungnach §73 b SGB V
Qualitätsstrukturen in der HzV
Aktivitäten des BHÄV hinsichtlich Qualitätsmanagement in der Hausarztpraxis
Strukturierte Fortbildung für Hausärzte und Qualitätszirkelarbeit
Psychosomatik und Qualitätsindikatoren

Petition

Weg mit § 73b Absatz 5a SGB V!
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